Text: Sarah Greber
Mein Name ist Sarah Greber, ich bin 25 Jahre alt und komme aus dem schönen Bregenzerwald.
Ich arbeite als Krankenschwester im Stadtspital Dornbirn und pendle mehrmals wöchentlich von zuhause in die Arbeit und umgekehrt. Auf meine Bregenzerwälder-Wurzeln bin ich stolz und verberge meinen Dialekt bei der Arbeit nicht. So tritt oft die Frage „Woher kommst du?“ auf. Dann folgt erstmal Staunen: Wie lange fährst du von zuhause bis hierher? Da musst du bestimmt früh aufstehen? Der Bregenzerwald ist in den Köpfen der Vorarlberger immer noch das abgeschottete Tal im tiefen, grünen Walde - etwas rückständig und altmodisch. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ich würde den „Wold“, wie er umgangssprachlich benannt wird, als einen Ort des Ideenreichtums und der Moderne beschreiben, der seine Traditionen nicht vergisst. Dass bei uns jeder jeden kennt hat bestimmt seine Nachteile (Klatsch und Tratsch, wo das Ohr nur hinhört), aber es fördert auch das soziale Miteinander und das gegenseitige Unterstützen, sei es beruflich oder privat. Im Bregenzerwald zu wohnen bedeutet für mich purer Luxus. Die Möglichkeit nachhaltig zu leben fällt wahrscheinlich nirgendwo leichter als hier – es passiert meist unbewusst und trotzdem wird es sehr geschätzt. Was dem Bregenzerwald sicherlich sein Flair verleiht, sind die vielen kleine Unternehmen, die von Generation zu Generation weitergeführt werden. Das Traditionelle bleibt, trotzdem ist genug Platz für neue Ideen. Daraus resultieren Projekte, die über den Bregenzerwald hinaus Ansehen erlangen.Nicht nur das Handwerk lebt von der Tradition – auch die Kleidung. Unsere Tracht, genannt „Juppe“ erlebt heute eine Art Renaissance. Vor einigen Jahren schwand das Interesse an dem schmucken Kleidungsstück - man kann sagen, sie wäre fast ausgestorben. Dazu braucht es vielleicht eine kurze Erklärung: Die Juppe ist kein einfaches Kleidungsstück, das man sich am Morgen im Handumdrehen anzieht. Es braucht Zeit, bis alles korrekt sitzt und es gibt viele Regeln, die einzuhalten sind. …Die Gürtelschnalle muss mit der Endung nach links schauen. Der Nacken soll frei sein von Haaren. Das „Schappele“ (Kopfbedeckung) dürfen nur unverheiratete Mädchen bis zu ihrer Hochzeit tragen….et cetera, et cetera. Bis man das alles intus hat, braucht es viel Übung und eine gute Lehrmeisterin - in meinem Fall meine Mama.  So viele Regeln und vor allem abschätzende Kommentare bei Misslingen, schrecken ab. Lieber nicht mehr anziehen, bevor man etwas falsch macht. Gott sei Dank gibt es dann Menschen, die sich der Herausforderung stellen, mutig sind und sich an das Veraltete herantrauen. Freche Stilbrüche mit Piercings, Tattoos und unpassende Frisuren machten erstmal Negativschlagzeilen. Wie so oft ist das aber die beste Werbung. Nach Aufruhr folgt Akzeptanz. Heute haben junge Damen wieder Freude am Tragen der Tracht – sei es mit Tattoo und Piercing oder ohne. Man ist stolz auf den vererbten „Bleatz“ oder das „Schappele“, das schon die Großmutter bei der Hochzeit getragen hat und man hat Freude, sich mit diesen wertvollen Erbstücken oder Errungenschaften zu zeigen. Das Schöne daran: der Großteil freut sich mit dir und heißt die Veränderung Willkommen. Wir sehen – und das ist keine Erkenntnis, die wir erst heute gemacht haben – die Gesellschaft braucht in allen Bereichen Erneuerungen und mutige Menschen, die sich trauen, Altes zu verändern. Stehenbleiben tut nur bei Fußschmerzen gut – aber auch hier empfiehlt sich das Weitergehen zum Orthopäden.


Die moderne Wälderin trägt heute Juppe – und das mit Stolz. 

witr wündôrô...

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