Text: Konrad Blank (89)
Der Spruch des Bregenzerwälder Heimatdichters Gebhard Wölfle gibt auf das Thema Tradition und Innovation eine Antwort. Er schrieb „Wir ehren das Alte und begrüßen das Neue“. Nicht alle Menschen von damals haben diesen Spruch zu Herzen genommen, besonders den zweiten Teil des Satzes. Selbst der Heimatdichter Franz Michael Felder hat dies zu spüren bekommen. Das ausgeprägte kleinräumige Denken mit egoistischen Zügen war oft ein Hemmschuh, um Neues entstehen zu lassen. Im Laufe von Generationen hat sich dann vieles zum Positiven entwickelt und eine offenere Denkweise hat sich durchgesetzt. Die Talschaft ist sich selbst näher gerückt und es kam zur Gründung der Regionalplanungsgemeinschaft. In dieser sind alle Gemeinden des Tales eingebunden. Insbesondere überörtliche Fragen wurden besprochen und oft einer Lösung zugeführt. Diese neue Denkweise hat sich für den Bregenzerwald sehr positiv ausgewirkt. Man kann sagen, es war dies eine pionierhafte Innovation. Die Tradition wird auffällig über die Tracht der Bregenzerwälder sichtbar. Wenn sie heute auch an Werktagen kaum mehr getragen wird. Durch Innovationen wurde eine praktischere Arbeitskleidung entwickelt. Fast wäre die Herstellung der Tracht verloren gegangen, doch zu festlichen Anlässen wird die Tracht auch heute noch gerne getragen. Durch eine glückliche Innovation kam es zur Einrichtung einer Juppenwerkstatt. In dieser wird heute die Tracht mit Einsatz von alten Maschinen und fachkundigen Frauen wieder hergestellt. Die Auftragslage ist bestens und durch Führungen wird der Herstellungsvorgang allen Interessierten zugänglich gemacht. Zur Tradition des Bregenzerwaldes gehören die vielen Alpen. Weil das Ausmaß der Ebenen Talflächen zu gering ist, sind die Bauern auf diese Alpflächen angewiesen. In der neuen Zeit kam die Frage auf: „Ist die Alpwirtschaft noch zu halten?“ Durch Innovationen, die zur Erhaltung der Alpen notwendig waren, konnte der Großteil davon erhalten werden. Die Unterkünfte für Mensch und Tier wurden laufend verbessert. Heute gibt es zeitgemäße Ställe und auch Käsereien. Für die Alpbewirtschafter gibt es heute menschengerechte Unterkünfte mit entsprechenden Schlafräumen samt WC und Duschen. Oft gibt es auch Jausestationen für die Wanderer. Die Initiativen der Älpler werden durch Zuwendungen der öffentlichen Hand kräftig unterstützt. Zu den Innovationen des Bregenzerwaldes gehören auch die Alpwege, die gebaut wurden. Die Alpen sind ein gutes Beispiel wie Tradition durch Innovation erhalten blieb. Eine weitere erwähnenswerte Innovation ist die Schaffung von Wohnraum in alten nicht mehr gebrauchten Bauernhäusern. Mit viel Einfühlungsvermögen gehen Planer und Bauleute ans Werk, um alte Bausubstanzen für Wohnzwecke nutzbar zu machen. Man versucht den alten Baustil bei den Bauernhäusern sichtbar zu erhalten. Weltweit gibt es in den letzten Jahrzehnten jedoch auch viele getätigte Innovationen, die zu hinterfragen sind. Im Schnellzugstempo wurden Investitionen getätigt, ohne zu überlegen, ob die Natur diese aushält. Entsorgungsprobleme wurden oft nicht gelöst. Heute sieht es so aus, dass die Natur zurückschlägt. Große Innovationen werden notwendig sein, um angerichtete Schäden zu beheben oder hintanzuhalten. Der Rettung der Natur muss ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

witr reosô...

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