KONRAD BLANK . JG 1931 . SULZBERG 2020
Die Wiege der Stickerei liegt im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Schon im 18. Jahrhundert entwickelte sich dort eine industrielle Stickerei. Die Stickerei wurde in der Folge zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Schweiz. Um 1850 gab es in der Stickerei-Industrie 200.000 Beschäftigte. Von diesen waren 75 % als Heimarbeiter tätig. Es war dies eine Erwerbsform, bei welcher die Sticker den Arbeitsumfang und den Arbeitsrhythmus selbst bestimmen konnten. Der wachsende Industriezweig brauchte immer mehr Stickerinnen und Sticker. Diese wurden in den benachbarten Ländern, Vorarlberg und Baden-Württemberg gefunden. Schon im Jahre 1793 kam die erste Schweizer Stickerin nach Schwarzenberg, um für diesen Erwerbszweig zu werben und Stickerinnen für diesen Beruf auszubilden. Pfarrer Johann Jakob Brändle aus Krumbach berichtete, dass dort die Kettenstickerei schon 1768 begann. Insbesondere im Bregenzerwald, mit seinen vielen kleinen Landwirtschaften, war ein Zuerwerb willkommen. Die Stickerei war damals reine Handarbeit. Man arbeitete am Stickrahmen oder am sogenannten Stickstock. Ab 1860 kamen Kettenstickmaschinen auf den Markt, die sich auch in Vorarlberg rasch verbreiteten. Schon 1887 gab es in 63 Vorarlberger Gemeinden diese Handstickmaschinen. Ab 1910 gab es dann die sogenannten Pariser Stickmaschinen, auch Pantograph genannt, welche über Lochkarten oder Punschkarten gesteuert wurden. Um diese Maschinen aufzustellen, waren oft bauliche Maßnahmen notwendig. Diese erforderten einen Raum von mindestens 3 mal 5 Meter und die entsprechende Raumhöhe. Unter Kaiser Franz I wurde 1818 die Ein- und Ausfuhr von Baumwollstoffen im Veredelungsverkehr zollfrei gestellt. Dies war eine echte Förderung des Betriebszweiges. Die Stickerei-Industrie erlebte durch die Jahrhunderte Höhen und Tiefen. Neben Glanzzeiten gab es auch Krisenzeiten, ausgelöst durch Kriege, Wirtschaftskrisen und auch Modeerscheinungen. Die Stickfergger waren Vermittler zwischen der Stickerei-Industrie und den Stickern. Sie brachten Halbfertigwaren zu den Stickern und brachten sie als Fertigware wieder zu den Stickerei-Fabrikanten zurück. Die Fergger hatten auch die Aufgabe die fertige Ware auf ihre Qualität zu überprüfen. Die Fergger waren auch jene, welche die Sticker für ihre Arbeit bezahlten.  Eine Handstickmaschine kostete 1887 rund 3.000 Schweizer Franken. Die Sticker mussten beim Ankauf eine Anzahlung zwischen 300 und 500 Schweizer Franken leisten. Die Restsumme wurde in Monatsraten von 30 bis 50 Schweizer Franken, je nach Vereinbarung, bezahlt. Bezahlt wurden die Sticker nach der Anzahl von Stichen: Für 100 Stiche wurden um 1880 rund 33 Rappen bezahlt. Aus dem Jahr 1885 wird berichtet, dass ein guter Sticker auf rund 52 Schweizer Franken CHF Tageverdienst kam. Die Sticker waren jedoch oft 11 Stunden an der Arbeit. Nicht selten wurden Kinder zur Hilfe herangezogen.Es stellt sich die Frage, was konnte man für 5 CHF kaufen? Eine Internet-Recherche ergab um 1884 für 5 CHF den Gegenwert von 38 kg Schwarzbrot oder 10 kg Käse. Daraus ergibt sich heute der Gegenwert von rd 100-150 € als Tageslohn. Also eine sehr beträchtliche Summe. Im Bregenzerwald gab es überwiegend kleine landwirtschaftliche Betriebe, die Milch an die Sennereien ablieferten. Das ausbezahlte Milchgeld bot in vielen Fällen keine Lebensgrundlage für eine Familie. Ein Nebenerwerb war notwendig. Neben anderen war die Handstickerei im 18. und 19. Jahrhundert der bedeutendste Zuerwerb.​​​​​​​

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