Text: Helena Berkmann
Schon immer zog es mich in die große, weite Welt. Überall anders schien es schöner und interessanter zu sein. Überall anders schien das Paradies auf mich zu warten. Ich sehnte mich nach dem Abenteuer und wollte möglichst weit weg von meinem Zuhause, dem Bregenzerwald. In der Oberstufe nutzte ich dann jede Möglichkeit um in das Ausland zu reisen. Unter anderem war ich fasziniert von der Gastfreundschaft und dem kulinarischen Angebot in Spanien und dem Fleiß und der Innovation im asiatischen Raum. Auch die atemberaubende Natur- und Kulturvielfalt in Australien löste in mir ein großes Staunen aus. Und trotzdem hatte ich das Paradies noch nicht gefunden. Die vielen Erlebnisse und Inputs motivierten mich nur noch mehr diesen „bsundrigen” Ort zu finden. Es dauerte einige Jahre bis ich begriff, dass sich dieses vermeintliche Paradies, das ich in jedem Land zu finden hoffte, direkt vor meiner eigenen Haustüre befand.  Im Bregenzerwald leben Innovation und Tradition in einem perfekten Einklang. Der Bregenzerwald bietet kulinarischen Hochgenuss sowie kulturelle Schmankerl für Groß und Klein. Die Gastfreundschaft der WälderInnen ist mindestens so groß wie ihr Fleiß. Und wenn man dann einmal durch den Bregenzerwald fährt und begreift, was für eine Naturvielfalt einen umgibt, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr hinaus. Das Aufwachsen im Bregenzerwald ist sicher nicht immer einfach. Dank des gut ausgebauten Bregenzerwälder-Klatsch Netzwerks kann es durchaus vorkommen, dass ganze Dörfer das eigene Privatleben besser kennen, als manch einer selbst. Auch manch ältere Tradition wirkt sehr einschüchternd, da sie mit vielen Regeln verbunden ist. Als Jugendlicher wird man dann auch noch mit gewissen Vorurteilen konfrontiert, die im Rest Vorarlbergs herrschen. So kam es sogar dazu, dass ich einmal für meine Manieren und meinen Geschmack, „trotz meiner Bregenzerwälder-Wurzeln”, gelobt wurde. Doch all diese „Nachteile” werden von den positiven Aspekten bei weitem überwogen. Das Aufwachsen im Bregenzerwald hat etwas sehr behütetes an sich. Jeder Baum und jede Furche erzählen eine Geschichte, die uns alle verbindet. Die Gemeinschaft, familiär sowohl als auch kommunal, ist sehr stark spürbar. Zahlreiche Traditionen bringen Jung und Alt zusammen an einen Tisch. Hier wird dann gesungen und gelacht. Man hat das Gefühl zu einer großen Familie zu gehören. Der Bregenzerwald vermittelt zudem viele wichtige Werte, die heute für moderne BürgerInnen essenziell sind. Fleiß, Stolz, Nachhaltigkeit, Respekt, Verantwortung, Vertrauen, Mut, Neugierde, Offenheit,... um nur einige zu nennen. Durch unsere verschiedenen Dialekte bilden wir zusätzlich eine Einheit und finden so zu unserer wahren Identität. Wenn ich heute an meine Kindheit zurückdenke, wird mir ganz warm ums Herz. Mit meiner Familie erlebte ich viele Abenteuer und durfte die schönsten Plätze des Bregenzerwaldes entdecken. Wo sonst hätte ich auf den Schultern meines Großdätas in der Brauerei eine Limo „stibitzen” können? Natürlich wird es mich noch mehrere Male in die große, weite Welt hinausziehen. Jetzt suche ich aber nicht mehr nach dem Paradies, sondern erzähle vielmehr davon und bringe jedem meinen Bregenzerwald näher. Das Leben im Bregenzerwald ist einzigartig und ich genieße jede Sekunde davon.
Wie auch in dem bekannten Lied „Ein Wälderdorf” von Hedwig Ender-Kohler und Johann Feldkircher gesungen wird: „Ein Wälderdorf ist meine Welt, ... Ich möcht sonst nirgends, nirgends sein, so gern bin ich im Wald daheim”

witr wündôrô...

Back to Top