GEBHARD NATTER, SCHWARZENBERG
Hier aufwachsend, konnte ich nicht anders als etwas über das wundervolle Bregenzerwälder Handwerk zu lernen. Umgeben von Naturrohstoffen, wird hier selbstverständlich auch damit gebaut. Und das schon lange. Die Bregenzerwälder Handwerkskunst ist weit über deren Grenzen hinaus bekannt. Ganz nach dem Sprichwort - „Meor ehrod das Ault und grüozod das Nü, und blibod üs sealb und dor Hoamad trü“ – treffen hier innovative Ideen und Tradition zusammen. Wer also im Bregenzerwald die Ausbildung zum Handwerker gemacht hat, darf dies auch stolz sagen. Ich bin 28 Jahre alt, gelernter Tischlermeister und aktuell Student der Architektur.
Für mich ist der Bregenzerwald mit seinen Innovationen ein Ort zum Lernen. Hinter jedem Detail steckt mehr, als mir früher bewusst war. Nehmen wir die Entwicklung der Fenster als Beispiel. Heutzutage dämmen die Fenster durch ihren sehr fortschrittlichen Glasaufbau. Früher allerdings mussten die Handwerker die schlechten Dämmwerte mit Ideenreichtum ausgleichen. Das in den alten Wälderhäusern so typische Kastenfenster bestand daher aus zwei getrennten Einzelfenster mit einem Hohlraum dazwischen, der für mindestens genauso gute Dämmung sorgte. Fasziniert von der Welt des Handwerks, die sich hier um uns zeigt „ehr ou i das Ault und grüoz das Nü“.
Während meiner Ausbildung an der HTL für Innenraumgestaltung und Möbeldesign wurde mir schnell bewusst, dass Architektur das Richtige für mich ist. Bei ersten Planungsversuchen als Einrichtungsberater machte ich jedoch die Erfahrung, dass mir die Praxis fehlte. Dieses Manko versuchte ich mit meiner Ausbildung zum Tischlermeister im Bregenzerwald auszugleichen. Immer wieder kommen mir diese praktischen Kenntnisse heute beim Architekturstudium zugute.
Aber das Berufsleben ist nur ein Teil des Lebens und war für mich als kleiner Junge noch nicht von Interesse. Als drittes von vier Kindern bin ich in Schwarzenberg geboren und aufgewachsen. Dort wo es „Wieble, Mändle und halt üs git“. Das Aufwachsen in einer Großfamilie und der hier so typisch dörfliche Charakter haben mich geprägt. Vereine gibt es für nahezu jedes Interessensgebiet. Beispielhaft sei hier nur die Feuerwehr, der Kirchenchor oder der Musikverein angeführt, wo regelmäßig geprobt und gefeiert wird. Dies fördert den sozialen Austausch und hat auch mich in meiner sozialen Kompetenz nachhaltig beeinflusst. Solang ich mich zurückerinnere, war ich immer umgeben von Geschwistern, Eltern, Cousins u. Cousininnen, Onkel, Tanten, Großeltern, Nachbarn, und Freunden. Weil im Dorf fast jeder jeden kennt, gleicht ein Spaziergang durchs Dorf einem Besuch bei Freunden und Bekannten. Ich fühle mich hier zuhause wie nirgendwo sonst. Erst als ich mit 14 in die HTL Imst und dort ins Internat kam, wurde mir bewusst, dass dieses Umfeld nicht selbstverständlich ist. Ich bin der Überzeugung, dass diese „Wälder-Wurzeln“ vieles in meinem Leben positiv beeinflussten.
Vor allem aber ist das Leben im Bregenzerwald von der schönen Natur geprägt. Schon als kleiner Junge war ich viel mit meiner Familie in den Bergen unterwegs. Ob Wandern im Sommer oder Skifahren im Winter. Wir sind dort Zuhause, wo andere Urlaub machen. Für mich gibt es keinem anderen Ort an dem ich mir mehr wünschen würde, irgendwann meine Kinder großzuziehen. Ich hoffe, dass ich noch viel vom Bregenzerwald lernen und irgendwann selbst zum Erhalt seines so wundervollen Charakters beitragen kann.

witr wündôrô...

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